ULRIKE FELDER

Bird

Die Serie „Bird“ ist stark filmisch geprägt. Das Basismaterial und zugleich Objekt der Fotografie ist ein Schwarz-Weiß-Film, der Bewegungssequenzen zeigt: den von einer Super-8-Kamera erfassten Flug eines Vogels. Das Filmmaterial wurde auf VHS überspielt und in der Folge mit einer analogen Spiegelreflexkamera vom Monitor abfotografiert.

Die gefilmte Bewegungsabfolge ist integrativer Bestandteil der fotografischen Arbeit mit dem MediumVideo. Durch Frequenzdifferenzen zwischen Bildaufbau am Monitor und Belichtungsgeschwindigkeit derKamera generierte Streifen definieren neue, horizontale Felder von Hell und Dunkel, lassen den Vogelzwischen Licht und tiefen Schatten schweben und führen in den subjektiven Raum der Interpretation.

Alle Einzelbilder wurden noch einer weiteren technischen Verfremdung unterzogen: Deutlich erkennbare Raster der horizontalen und vertikalen Bildzeilen des Videomonitors durchziehen die Fotografien und führen eine zusätzliche Variante des Themas von Licht und Dunkel ein. Diese subtile Äußerung ist im Hintergrund zu lesen, tief im Bildraum. Das Schwarz wird von fein durchschimmerndem Licht aufgebrochen, die hellen Horizontalen beziehen ihre Nuancen aus den verschiedenen Grautönen, die durch den Einfluss der Raster bedingt sind.

Der Vogel selbst erscheint rudimentär gezeichnet, archetypisch in seinen Bewegungen. Nicht nur in den Konturen ist er mit seiner technisch kreierten Umgebung verbunden, der ganze Körper ist in das Wechselspiel von Licht und Schatten eingebunden. Wie ein dunkler Bote durchstreift er diese Sphären, ein archaisches Wesen in einem mit nahezu mathematischer Akribie konstruierten Raum. Es ist dieser Gegensatz, der das Lebewesen so kraftvoll erscheinen lässt und der die Atmosphäre der Serie „Bird“ konstituiert – ein vitales Zeichen des Lebens in einem technoiden Umfeld.

Text: Bernadette Dewald

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