ULRIKE FELDER

Alte Meister | Filippino Lippi | o.t.

Was gibt es Geheimnisvolleres als Klarheit? (Paul Valéry)

Ulrike Felder liebt die großen Meister der Malerei (Raffael, Ingres, Cranach), in ihrer neuen Werkserie nimmt sie sich ihrer Figuren an und bietet uns ihre respektvolle und virtuose Interpretation in Form von Suggestionen an.

Dafür hat sie eine eigene Bildsprache entwickelt, und die Art, wie sie Körper und Hintergründe miteinander in Beziehung setzt, erzeugt eine eigentümliche Spannung und neue Bedeutungen: Figuren scheinen in den Raum eingebettet zu sein und doch von ihm losgelöst, als würden sie zwischen zwei Welten existieren. Die Konstellationen von Menschen, Körperteilen, Tieren, Pflanzen und Gegenständen entfalten ihre eindringliche Wirkung durch den starken Gegensatz von scheinbarer Klarheit der dargestellten Objekte und ihrer entrückten, fast träumerischen Kombination.

Der Mensch ist ein zentrales Motiv, doch nie als klassisches Porträt, sondern als Fragment einer größeren, unsichtbaren Geschichte. Die altmeisterlichen Motive in ihren Bildern stehen dabei in Kontrast zu den naturhaft pflanzlichen Formen ihrer eigenen Fotografien. Diese Hintergründe sind jedoch keineswegs zufällige oder neutrale Räume, sondern bewusst gestaltete Stille, die ihre Figuren umhüllt und ihnen eine neue Präsenz verleiht. Zwischen dem Ephemeren und dem Elementaren suggerieren die Bilder eine Welt, in der jeder Neuanfang die Spur der Vergangenheit in sich trägt. 

Ulrike Felder lotet die Grenzen zwischen fotografischem und malerischem Diskurs aus, indem sie neue Sichtweisen erprobt und noch nicht Gesehenes erfindet. Durch sorgfältige Beobachtung und präzise Auswahl, durch Reduktion und Verdichtung, das visuelle Spiel mit Beziehungen, Begegnungen und Isolation, entstehen ihre Bilder in einem inneren Konfigurationsprozess. Den Betrachtenden bieten sie eine doppelte Perspektive: einerseits einen makroskopischen Blick auf verwandte Gemäldefamilien und wiederkehrende Themen und andererseits die Erkundung des kreativen Prozesses.

Ulrike Felder will keine Geschichten erzählen, aber trotzdem: In unserem Kopf, da entstehen welche.

Text: Cem Angeli

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